AUF DER SUCHE NACH DEM

WAHREN, SCHÖNEN UND GUTEN

Schrecken der Dämonen




Beschützer der Jungfrauen, Stütze der Familien, Schrecken der Dämonen – wer mit solchen Titeln bedacht wird, muss ein mächtiger Mann voll Kraft und Tapferkeit sein. Er entspricht sicherlich nicht den häufig anzutreffenden Darstellungen des heiligen Josef als zerbrechlicher Greis, der unbeteiligt abseits des Geschehens ein Nickerchen hält. Josef mag zwar älter als seine Braut Maria gewesen sein, doch er muss ein Mann im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen sein, wenn er die Strapazen äußerst langer Wanderungen – etwa bei der Flucht nach Ägypten – auf sich nehmen konnte.


Wenngleich ihm zwar als Ziehvater des Gottessohnes tiefe Verehrung entgegenbracht wurde, führte der heilige Josef in der Theologie und Doktrin lange Zeit eher ein Schattendasein. Erst in den letzten 150 Jahren gewann er immer mehr an Bedeutung: So wurde er 1870 etwa zum Schutzpatron der ganzen Kirche erhoben, wird seit 2013 in allen Hochgebeten des ordentlichen römischen Ritus angerufen und vor wenigen Tagen haben wir - zum ersten Mal in der Kirchengeschichte – das Jahr des Heiligen Josefs begonnen.


Inmitten einer Gesellschaft, in der die Männlichkeit so oft der Lächerlichkeit preisgegeben wird, und des gewaltigen Kampfes, der in der heutigen Zeit um Ehe und Familie tobt, scheint die Stunde des Heiligen Josefs geschlagen zu haben, dessen Vorbild als Ehemann und Vater wir dringender denn je bedürfen. Immer mehr Menschen entdecken in ihm, der wie kein anderer die Tugenden der Geduld und Keuschheit verkörpert, ein lebensnahes Vorbild, mit dem sie sich identifizieren können – war er doch mit harter Arbeit und den alltäglichen Sorgen um das Wohl der Familie bestens vertraut.


Kein Wort von ihm wird uns ihm Neuen Testament überliefert – Werke wiegen mehr als Worte. Und doch ist er nach der Gottesmutter der wichtigste Heilige, der als stiller Zeuge so nah wie nur sie an der Quelle der Gnade war: Jesus Christus. Er, der Jesus auf eine Weise liebte, wie kein anderer Mensch ihn zu lieben vermag, nämlich mit dem Herz eines Vaters, möchte auch unser geistlicher Vater sein. Als Patron der Sterbenden ist er unser persönlicher Patron, sehen wir doch alle früher oder später unweigerlich dem Tod ins Auge. Wie schön wäre es, im letzten Kampf des Todes wie er sterben zu dürfen, in den Armen Mariens und im Beisein Jesu!


Theresa von Avila pflegte ihre Freunde – unter anderem den großen Meister des geistlichen Lebens Johannes vom Kreuz - zur Andacht des Heiligen Josefs geradezu herauszufordern. Lassen auch wir uns von dieser großen Heiligen inspirieren:


„Zu meinem Fürsprecher und Herrn erwählte ich den glorreichen heiligen Joseph und empfahl mich ihm recht inständig. Ich erinnere mich nicht, ihn bis jetzt um etwas gebeten zu haben, was er mir nicht gewährt hätte. Andern Heiligen scheint der Herr die Gnade gegeben zu haben, nur in einem bestimmten Anliegen helfen zu können; diesen glorreichen Heiligen aber habe ich in allen Stücken als Nothelfer kennengelernt. Der Herr will uns ohne Zweifel zeigen, daß er ihm im Himmel alles gewähre, was er von ihm begehrt…Dies haben auch einige andere Personen erfahren, denen ich geraten, sich ihm zu empfehlen. Ich möchte jedermann zureden, diesen glorreichen Heiligen zu verehren, weil ich aus vieler Erfahrung weiß, wie viele Gnaden er bei Gott erlangt. Niemals habe ich jemand kennengelernt, der eine wahre Andacht zu ihm trug und durch besondere Übungen ihm diente, an dem ich nicht auch einen größeren Fortschritt in der Tugend wahrgenommen hätte; denn er fördert die Seelen, die sich ihm anempfehlen, gar sehr.“



Dieser Beitrag erschien am 21. Januar 2021 in der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost".