AUF DER SUCHE NACH DEM

WAHREN, SCHÖNEN UND GUTEN

Die kleine Theologin



Unsere älteste Tochter Emilia ist gerade mal sechs Jahre alt und schon eine kleine Theologin. Immer wieder überrascht sie uns mit ihren tiefgründigen Fragen. Vor kurzem erkundigte sie sich: „Mami, ist Gott immer gut?“ - „Ja, natürlich, mein Schatz.“ - „Warum hat er dann auch die bösen Menschen gemacht? Die Räuber und Diebe?“ Da musste ich ganz schön schlucken und versuchte ihr zu erklären: „Weißt Du, der liebe Gott hat die Räuber und Diebe nicht böse erschaffen, sondern frei. Als kleine Babys waren sie ja noch nicht böse. Der Herrgott möchte keine Roboter, die immer seinen Willen tun, sondern Menschen, die sich aus freien Stücken für das Gute entscheiden und ihr Leben mit und für Gott leben möchten. Nur leider heißt das eben auch, dass wir Fehler machen und uns für das Böse entscheiden können.“


Ein anderes Mal fragte sie mich, ob Jesus auch Gott sei. Als ich bejahte, wunderte sie sich: „Aber wie kann es außer Gott noch einen Gott Jesus geben? Das sind ja dann zwei Götter!“ Ich stellte fest, dass es gar nicht so einfach ist, einem kleinen Kind die Dreifaltigkeit näher zu bringen: „Gott ist wie eine Familie. Er ist die Liebe und er ist Beziehung. So wie wir in unserer Familie mehrere unterschiedliche Personen, die sich gegenseitig lieben, aber nur eine Familie sind, so gibt es zwar Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, aber es ist nur ein Gott.“


Auch mit dem Thema Tod beschäftigt sich unsere Tochter immer wieder. Das fing an, als vor drei Jahren der Verlobte meiner Schwägerin kurz vor ihrer Hochzeit bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Emilia hatte ihn sehr gerne gehabt und damals entschieden wir uns, seinen Tod nicht zu tabuisieren, sondern ihr so schonend wie möglich die Wahrheit zu sagen. Seitdem gehört für sie der Tod ganz natürlich und unverkrampft zum Leben dazu, immer wieder fragt sie nach dem Himmel. Einmal grübelte sie besonders lange vor sich hin und wollte dann mit einer tiefen Sorgenfalte auf der Stirn wissen: „Wenn ich sterbe, bleibt ja mein Körper auf der Erde zurück. Wie kann ich dann ohne Körper und ohne Flügel hoch in den Himmel fliegen?“


Ihre Fragen bringen uns manchmal zum Lachen, oft zum Schmunzeln und auch immer wieder zum Nachdenken. Petrus fordert uns auf, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt (vgl. 1 Petrus 3, 15). Wir wollen vor unseren Kindern stets Rechenschaft über unseren Glauben ablegen können, auch wenn sie älter und ihre Fragen komplexer werden. Dafür müssen wir selbst ein gutes Glaubens- und Wissensfundament besitzen und uns aktiv darum bemühen, dieses beständig zu erweitern. Unseren Glauben erfassen wir eben nicht nur durch unser Herz, sondern auch durch unseren - noch so jungen - Verstand.


Dieser Beitrag erschien in gekürzter Form am 29. August 2019 in der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost".